Heilige Elisabeth

 

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Elisabeth im Bistum

Die heilige Elisabeth von Thüringen - Zweite Bistumspatronin

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde Elisabeth in der Frömmigkeitspraxis der Gläubigen zwar vielfach nach Bonifatius an zweiter Stelle und als Diözesanheilige genannt bedeutende Heilige bezeichnet, aber als solche war sie noch nicht offiziell durch den Vatikan approbiert. Dies erfolgte erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts.


Der heilige Bonifatius ist der Bistumspatron Fuldas von Anfang. Sturmius, der zweite Bistumspatron, hatte als Gründer des Fuldaer Klosters im Auftrag des Bonifatius nur regionale Bedeutung. Dies wollte Bischof Dr. Eduard Schick (1974 - 1982) ändern. Bischof Schick schlug daher dem Katholikenrat des Bistums vor, Elisabeth von Thüringen zur zweiten Bistumspatronin zu erheben. Nach Zustimmung der Vollversammlung des Diözesan-katholikenrates am 17. Januar 1976 und Approbation durch den Diözesanbischof am 16. Februar 1976, teilte Bischof Schick diesen Wunsch mit Schreiben vom 19. Februar 1976 dem Vatikan mit. Die Wahl sei auf die heilige Elisabeth von Thüringen gefallen, weil diese in Thüringen und Hessen wirkte, einem Gebiet, "das heute (Anm.: 1976!) zum großen Teil zur Diözese Fulda gehört." Daher "ist diese große Heilige wie niemand sonst geeignet, nach dem heiligen Bonifatius Patronin der Diözese Fulda zu sein." Die Zustimmung der Kongregation erhoffte sich der Bischof, zumal er sich formal exakt nach der Instruktion der Gottesdienstkongregation "Calendaria particularia" vom 24. Juni 1970 gerichtet hatte. Darin heißt es unter Nr. 30: "Die Wahl der Patrone soll durch Klerus und Volk geschehen." Durch den einmütigen Beschluss der Vollversammlung des Diözesankatholikenrates, die aus Priestern und Laien besteht, sah Bischof Schick die kirchenrechtlichen Voraussetzungen für sein Vorhaben gegeben. Die Enttäuschung muss groß gewesen sein, als dem Wunsch nicht nachgekommen wurde. Erzbischof Antonius Innocenti, Sekretär der "Sacra Congregatio pro Sacramentis et cultu Divino" lehnte mit Schreiben vom 15. März 1973 ab. Er verweist auf das Dekret der Gottesdienstkongregation "De Patronis Constituendis" vom 19. März 1973, worin es unter anderem heißt, die Diözesen sollten nur einen Bistumspatron haben. Erzbischof Innocenti schließt sein Schreiben: "Wir bitte Sie daher, auch in Ihrem Bistum bei einem Patron, dem hl. Bonifatius, zu bleiben und diese allgemeine Regelung zu übernehmen." Auf dieses Schreiben vermerkt Bischof Schick handschriftlich, er beabsichtige in der Woche nach Weißensonntag in dieser Angelegenheit persönlich in Rom vorzusprechen. Dies blieb nicht ohne Erfolg, denn bereits am 7. Juli 1976 wurde im Kirchlichen Amtsblatt für die Diözese Fulda mitgeteilt: "Der Beschluss des Diözesanrates vom 17. Januar 1976, die hl. Elisabeth von Thüringen als Zweitpatronin der Diözese Fulda zu benennen, ist nach der Approbation durch den Herrn Diözesanbischof vom Apostolischen Stuhl konfirmiert worden (Reskript der Kongregation für Sakramente und Gottesdienst vom 4. Mai 1976, Prot. N. CD 295/76)." Dieser Akt wird im Amtsblatt so begründet: "Die hl. Elisabeth, im ganzen deutschen Sprachraum als die große Heilige der Caritas hoch verehrt, steht in besonderer Beziehung zu unserer Heimat und somit zu unserem Bistum; sie hat, geschichtlich gesehen, für die von Fulda weiter entfernten Teile der Diözese größere Bedeutung als der frühere Zweitpatron St. Sturmius … Im dritten Hochgebet der Messe möge an der vorgesehenen Stelle künftig nach dem hl. Bonifatius auch die hl. Elisabeth genannt werden." 


Heute bildet "ihre Verehrung eine Brücke zwischen den Konfessionen". Was der damalige Marburger Regionaldechant Winfried Leinweber so zuversichtlich zum 750. Todestag der Heiligen formuliert hat, sollte, angesichts heutiger Realitäten zwischen den Konfessionen, eher konjunktivisch ausgedrückt werden: Ihre Verehrung kann eine Brücke zwischen den Konfessionen bilden, sofern sich beide Kirchen darauf besinnen, dass Elisabeth von Thüringen eine gemeinsame, vorreformatorische Heilige ist, von der noch Martin Luther in ungebrochener Tradition sagen konnte: "Ich gläube freundlich, St. Elisabeth zu Marburg sei heilig" . Und in seiner "Kirchenpostille" erwähnt er "ein Exempel von der heiligen Frau St. Elisabeth". Ermunternde Beispiele für die "Brückenfunktion", welche die Heilige Elisabeth innehaben kann, ist die Tatsache, dass die Evangelische Landeskirche Kurhessen Waldeck (EKKW) und das Bistum Fulda in geschwisterlichem Ringen gemeinsame Aktivitäten für das Elisabeth-Jubiläum 2007 vorbereitet haben. 


Dieter Wagner

 

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