Heilige Elisabeth

 

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"Vorbild für Nächstenliebe"

Bischof Algermissen über die heilige Elisabeth  

KNA: Herr Bischof, Elisabeth-Gedenkjahr - warum an Elisabeth erinnern?

Algermissen: Anlass des Elisabeth-Gedenkjahres ist die Wiederkehr des 800. Geburtstages dieser großen Frau. Sie ist neben dem heiligen Bonifatius Patronin unseres Bistums; auf die Fürsprache der beiden Bistumspatrone beim Herrn vertrauen die Gläubigen unserer Diözese. An Elisabeth als Vorbild für die christliche Tugend der Nächstenliebe zu erinnern, ist in unserer heutigen Gesellschaft bei der steigenden Armut und den tiefen sozialen Problemen von besonderer Bedeutung. Die heilige Elisabeth verbindet praktizierte Caritas mit tiefer Gottesbeziehung, das heißt die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen bedingen sich bei ihr in selten konsequenter Weise. Sie schaute gleichsam mit den Augen Gottes auf die ihr anvertrauten Menschen. Nächstenliebe und soziale Gerechtigkeit bleiben als Begriffe abstrakt. Diese große Heilige gibt solchen Prinzipien buchstäblich ein "Gesicht". 


KNA: Nun weiß man von Elisabeth auch, dass sie - die "Mutter der Armen" - ihre drei Kinder verließ, dass sie zur Buße körperliche Züchtigungen über sich ergehen ließ, dass ihr "Seelenführer" der in der Kirchengeschichte als zumindest fragwürdige Persönlichkeit geltende Kreuzzugsprediger und Inquisitor Konrad von Marburg war. Kratzt das nicht am gängigen Elisabethbild?


Algermissen: Die strenge Askese der heiligen Elisabeth, die sie ja auch von Menschen ihrer Umgebung verlangte, ist für uns heute in der Tat schwer zu verstehen. Auch dass sie ihre Kinder in fremde Obhut gegeben hat, um ganz frei zu sein für ihren Dienst an den Armen und Gestrauchelten, ist nicht leicht nachzuvollziehen. Aber das gehört nun mal zum Bild, zum Wesen der heiligen Elisabeth und kann nicht unter den Tisch fallen. Sie durchbrach in ihrem Denken, Urteilen und Verhalten Standesschranken ihrer Zeit und hat sich radikal von den höfischen Regeln befreit und sich aus Liebe zum gekreuzigten Jesus Christus dazu durchgerungen, auf ein glückliches Familienleben zu verzichten.

Als Landgräfin und Fürstin ist Elisabeth sicher auch eine Frau gewesen, auf die eine starke kirchliche Persönlichkeit wie Konrad von Marburg nicht ohne Einfluss bleiben konnte. Die neu aufgekommene Armutsbewegung des heiligen Franziskus von Assisi tat ein Übriges, die heilige Elisabeth auf dem Weg der Armut und Entsagung wie auch des Gehorsams zu bestärken. Es wäre sicher falsch, sie zu idealisieren. Man muss sie - um ihrer Persönlichkeit gerecht zu werden - vielmehr im Kontext ihrer Geschichte und Zeit deuten. Dann wird man fasziniert sein von ihrer tiefen Wandlung von einem Leben als Fürstin mit allen Privilegien zur Lebensgemeinschaft mit den Armen, in denen sie Christus erkannte. 


KNA: Zum Elisabeth-Gedenkjahr gibt es gleich drei Logos: sie unterscheiden sich zwar nicht im Bild-, wohl aber im Wortteil: beim katholischen Logo heißt es "1207-2007 Heilige Elisabeth von Thüringen", beim evangelischen "Elisabeth von Thüringen 1207-2007" und beim Logo für ökumenisch verantwortete Veranstaltungen "Heilige Elisabeth. Elisabeth von Thüringen 1207-2007". Elisabeth - ein "Stolperstein" in der Ökumene oder eine - wie es manchmal heißt - "Brückenheilige" zwischen Katholiken und Protestanten?


Algermissen: Es gab tatsächlich ein hartes Ringen um ein gemeinsames Erscheinungsbild. Das Attribut "heilig" war für die evangelische Seite leider nicht akzeptabel. Darin liegt auch der Grund für die Modifizierung des Wortteils im Logo. Dass wir überhaupt zu einem gemeinsamen Erscheinungsbild gekommen sind, war ein steiniger Weg, für dessen Ergebnis ich dennoch sehr dankbar bin. 

Im Laufe des Elisabeth-Jubiläums gibt es eine Reihe von ökumenischen Veranstaltungen; das steht schon fest. So wird der eigentliche Festakt des Elisabeth-Jahres in Marburg am 22. September 2007 in ökumenischer Verantwortung gemeinsam geplant und durchgeführt. Vor allem auch auf den Ortsebenen, das heißt in den Pfarreien und Kirchengemeinden, finden gemeinsame Gottesdienste, Wallfahrten und diakonisch-caritative Veranstaltungen statt. Ich habe die große Hoffnung und Zuversicht, dass dadurch die heilige Elisabeth verbindend wirkt und die beiden christlichen Konfessionen letztendlich stärker zusammenführt. Von daher sehe ich in Elisabeth eine "Brückenheilige" und ganz und gar keinen "Stolperstein". 


Vertrauen wir dem Herrn, dass die vielfältigen gemeinsamen Bemühungen zum und Veranstaltungen im Elisabeth-Jahr 2007 der Ökumene einen kräftigen Impuls schenken mögen. Interview: Peter de Groot (KNA)
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